Der Drei-Schluchten-Staudamm


Der Drei-Schluchten-Staudamm
Der Drei-Schluchten-Staudamm
 
Oberhalb des im Bau befindlichen Drei-Schluchten- oder Sanxia-Staudamms am Jangtsekiang wird nach seiner Fertigstellung der längste Stausee der Welt liegen. Sein Wasserkraftwerk, das größte der Welt, soll China mit beträchtlichen Mengen an Elektrizität versorgen: Die vorgesehene Kapazität entspricht acht Prozent der gegenwärtigen, vorwiegend auf Kohlekraft beruhenden chinesischen Stromerzeugung. Mit ihrer Gesamtleistung von 18 200 Megawatt werden die Generatoren des Staudamms einen erheblichen Beitrag zur Verminderung der Kohlendioxidemission leisten. Der Damm soll die ökonomische Entwicklung Chinas beschleunigen und darüber hinaus auch Abhilfe für die immer wiederkehrenden, katastrophalen Hochwasser im Einzugsgebiet des drittlängsten Flusses der Welt schaffen. Dennoch wurde und wird das Projekt höchst kontrovers diskutiert. Kritiker sehen in dem Damm einen irreparablen Eingriff in die Natur und sehen die Menschenrechte der zwangsevakuierten Bevölkerung in der vom Dammbau betroffenen Region - etwa zwei Millionen Menschen - verletzt.
 
 Eckdaten des Drei-Schluchten-Projekts
 
Der Drei-Schluchten-Staudamm (chinesisch: Sanxia) am Jangtsekiang wird bei Sandouping errichtet, etwa 40 Kilometer stromaufwärts von Yichang am Ende der Schlucht Xiling in der Provinz Hubei. 38 Kilometer unterhalb der Baustelle befindet sich der von 1970 bis 1988 erbaute Gezhouba-Staudamm.
 
Das Drei-Schluchten-Projekt ist planmäßig in drei Bauabschnitte gegliedert. Die erste Phase dauerte von Dezember 1994 bis November 1997. Während dieser Zeit wurde am südlichen Ufer ein vier Kilometer langes neues Flussbett gegraben, etwa 30 000 Menschen wurden umgesiedelt. Nach der Umleitung des Jangtsekiang in das neue Bett begann die zweite Phase (1998-2003), in der der Staudamm errichtet wird. In diesem Zeitraum müssen etwa eine halbe Million (pro Jahr rund 80 000) Menschen ihre Heimstätten wechseln. Zum Ende des zweiten Bauabschnitts soll der permanente Schiffskanal, der am nördlichen Ufer errichtet wird, fertig werden. Im selben Jahr soll auch der erste Strom ins Netz eingespeist werden. In der dritten Phase (2004-2009), nach der Aufhebung der Flussumleitung, wird das Schiffshebewerk fertig gestellt. Der Stauwasserspiegel wird danach schrittweise erhöht, bis er im Jahr 2013 seinen geplanten Höchststand erreicht.
 
 Politischer Hintergrund
 
Die Entwicklung des Drei-Schluchten-Projekts ist eng verknüpft mit der Geschichte der Republik beziehungsweise Volksrepublik China. Sie reicht zurück bis in das Jahr 1919. Bereits zu jener Zeit plante der Republikgründer und Parteiführer Sun Yatsen die Regulierung des Jangtsekiangs mithilfe von Staudämmen, um das rückständige Binnenland Chinas schiffbar zu machen und gleichzeitig Wasserkraft zu erzeugen. Wichtiger noch war aber auch schon damals die Flutkontrolle. Obgleich China ein Land ist, in dem der Wasserbau große Tradition besitzt, litt es immer schon unter den Überflutungen seiner Ströme. Seit der Zeit der Han-Dynastie (vor etwa 2 000 Jahren) trat der Jangtsekiang mehr als 200-mal weit über seine Ufer. Allein im 20. Jahrhundert forderten Flutkatastrophen weit über 300 000 Opfer und die Zahl der Obdachlosen geht in die Millionen. Chiang Kai-shek, der Nachfolger Sun Yatsens, entwickelte konkrete Pläne, den Jangtsekiang im Bereich der Drei Schluchten aufzustauen. Im Auftrag Nationalchinas befassten sich Wasserbauingenieure vom US Bureau of Reclamation ab 1944 mit der Dammplanung, und eine Stelle bei Sandouping am östlichen Ende der Drei Schluchten, nahe am heutigen Entstehungsort des Dammes, wurde näher ins Auge gefasst. 1947 zerschlugen sich diese Pläne im chinesischen Bürgerkrieg. Mao Zedong setzte als Gründer und erster Präsident der Volksrepublik China den Dammbau wieder auf die Tagesordnung, nachdem im Jahr 1954 bei einer weiteren Jangtsekiangflut über 33 000 Tote zu beklagen waren. 1958 beschloss das Politbüro des Zentralkomitees der KP Chinas die Wiederaufnahme des Projektes, das nun mit Unterstützung der Sowjetunion verwirklicht werden sollte. Nach dem Bruch mit der Sowjetunion 1960 wurde das Projekt nicht weiter verfolgt. Auf die eigene Kraft bauen, so hieß nun die Devise. Im Einklang mit Maos Dezentralisierungsparole setzte China auf kleine und mittlere Wasserkraftwerke mit Leistungen bis 50 Megawatt, die vollständig mit chinesischer Technologie erbaut werden konnten. Dass dies nicht ausreichen würde, war den chinesischen Experten schon damals sicherlich klar, und Ende der 1970er-Jahre, nach Maos Tod, griff das chinesische Ministerium für Wasserressourcen und Elektrizität das Projekt wieder auf. In den Folgejahren ließ sich China erneut von amerikanischen Spezialisten beraten. Auf deren Studie hin schlug ein US-Firmenkonsortium 1985 vor, den Drei-Schluchten-Staudamm in einem Joint Venture mit der chinesischen Regierung zu bauen. Wegen wirtschaftlicher Probleme schob China das Projekt jedoch erneut auf. 1988 legte die kanadische International Development Agency gemeinsam mit der Weltbank eine weitere Machbarkeitsstudie vor, der das gleiche Schicksal zuteil wurde: 1989 gab der Vorsitzende der staatlichen Planungskommission, Vizepremier Yao Yilin, bekannt, der Baubeginn würde auf unbestimmte Zeit verschoben, da mögliche ökologische Auswirkungen des Projektes weiterer Untersuchungen bedürften. 1992 gelang es Chinas damaligem Ministerpräsidenten Li Peng, das Projekt politisch durchzusetzen, wenn auch nur mit einer Zweidrittelmehrheit des Volkskongresses.
 
 Geographischer Hintergrund
 
Der Jangtsekiang, an dem das umstrittene Projekt realisiert wird, ist der größte und wasserreichste Fluss Chinas. Seine Gesamtlänge beträgt rund 6 300 Kilometer. Er entspringt in den Bergen der südwestlichen Provinz Qinghai, im Kunlun Shan (im Nordosten des Hochlandes von Tibet), in 5 600 Metern über dem Meeresspiegel. In seinem ersten Drittel, bis etwa nach Yibin (in 305 Meter Höhe gelegen), hat er den Charakter eines Gebirgsflusses; erst danach wird er schiffbar. Chongqing am westlichen Ausläufer des geplanten Staugebiets ist 192 Meter hoch gelegen. Bis zu dem 320 Kilometer von Chongqing entfernten Binnenhafen von Yichang in 40 Meter Höhe weist sein stellenweise auf 100 Meter verengter Lauf zahlreiche Stromschnellen und Wirbel auf, welche die Schifffahrt stark behindern. Die schwierigste Strecke war lange Zeit das sich über 150 Kilometer erstreckende Drei-Schluchten-Gebiet, das zwischen Wanxian und Yichang liegt und seinen Namen von den drei imposanten Schluchten Xiling, Wuxia und Qutang erhielt. Durch die Sprengung von Untiefen und die Markierung der Fahrrinne konnte die Schiffbarkeit dieser Strecke verbessert werden. Weitere Binnenhäfen flussabwärts von Yichang haben die in einer seenreichen Tiefebene gelegenen Städte Wuhan, Jiujiang, Wuhu und Nanking. Dort beginnt das 350 Kilometer lange, bis zu 80 Kilometer breite Flussdelta. Direkt nördlich von Schanghai mündet der Jangtsekiang, in zwei Arme geteilt, ins Ostchinesische Meer. Jangtsekiang (wörtlich: Goldener Fluss) ist in China eigentlich die Bezeichnung für den oberhalb des Deltas gelegenen Teil des Unterlaufs. Die anderen Flussabschnitte tragen ganz unterschiedliche Namen, während der gesamte Wasserlauf offiziell Chang Jiang (wörtlich: Langer Fluss) heißt.
 
Der Jangtsekiang hat mit seinen 1 000 Nebenflüssen ein Einzugsgebiet von 1,8 Millionen Quadratkilometern, in dem rund 400 Millionen Menschen leben, etwa ein Drittel der chinesischen Bevölkerung. Allein im überflutungsgefährdeten Bereich des Mittel- und Unterlaufes sind es 15 Millionen. Der Fluss ist heute auf annähernd 2 700 Kilometern schiffbar. Die Wasserführung unterliegt starken jahreszeitlichen Schwankungen. Im Mittel beträgt sie im Unterlauf 32 500 Kubikmeter pro Sekunde (m3/s), kann aber dort bei Hochwasser auf über 80 000 m3/s anwachsen. Die jährliche Abflussmenge ins Meer beträgt 960 Milliarden Kubikmeter, ein Indiz für das enorme Energiepotenzial dieses Stroms.
 
 Nutzung der Wasserkraft
 
Der Energiebedarf Chinas nimmt aufgrund der fortschreitenden Industrialisierung und des steigenden Lebensstandards der Bevölkerung rapide zu. Heute, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, produziert China 80 % seiner Elektrizität durch das Verbrennen von Kohle. Da fast sämtliche Kohlelagerstätten im Norden Chinas zu finden sind, die Verbraucher (und die Kraftwerke) aber in den südlichen Provinzen, sind die Eisenbahnen zu 80 bis 90 % durch den Transport der Kohle ausgelastet. China ist mit einem Jahresausstoß von 3,4 Milliarden Tonnen Kohlendioxid schon heute der zweitgrößte CO2-Emittent der Welt. Um den Ausstoß an diesem Treibhausgas zu begrenzen, werden derzeit nur die Alternativen Atom- und Wasserkraft erwogen. Sechs Kernkraftwerke befinden sich im Bau, weitere sind in Planung. Darüber hinaus sollen die Wasserkraftressourcen in Zukunft besser genutzt werden. Die durch Wasserkraft theoretisch verfügbare Energiekapazität liegt bei 676 Gigawatt (Milliarden Watt, GW), von denen 379 GW technisch und wirtschaftlich erschließbar sind. Noch 1985 wurden nur rund 8 % dieses Potenzials genutzt. Der Jangtsekiang hat mit seinen Nebenflüssen einen Anteil von 40 % an diesem Energiepotenzial.
 
Außer dem Drei-Schluchten-Staudamm sind am Jangtsekiang und seinen Nebenflüssen mehr als 40 Wasserkraftwerke mit einer Kapazität von insgesamt 60 GW im Bau oder geplant. Bereits in Betrieb sind acht Kraftwerke mit einer Leistung von 6,6 GW. Der Drei-Schluchten-Damm wird nach seiner Fertigstellung der größte Wasserkraftproduzent der Welt sein. Seine geplanten 26 Generatoren haben eine Leistung von je 0,7 GW; die Gesamtleistung beträgt also 18,2 GW. Dies entspricht der Leistung von 15 Kernkraftwerken der Biblis-Klasse oder von 30 Kohlekraftwerken durchschnittlicher Größe. Den jährlichen Output des Drei-Schluchten-Staudamms an elektrischer Energie schätzt das chinesische Energieministerium auf 85 Terawattstunden (Milliarden Kilowattstunden) - viereinhalbmal mehr, als alle Wasserkraftwerke Deutschlands zusammen pro Jahr liefern. Der Stausee hinter dem Drei-Schluchten-Damm wird in einem natürlichen Becken zwischen bis zu 900 Meter hoch aufragenden, steilen Bergwänden liegen und - auf die Leistung bezogen - weniger Landverbrauch als ein Stausee in flachem Gelände verursachen, nämlich nur etwa sechs Hektar Fläche je Megawatt Kraftwerksleistung (bei optimaler Füllhöhe). Im Vergleich dazu benötigt die nach Fläche und Stauvolumen zweitgrößte Talsperre Deutschlands, die Edertalsperre (1 200 ha, 202 Millionen Kubikmeter) umgerechnet 28 000 Hektar pro Megawatt. Doch auch nach Fertigstellung dieses Dammprojekts werden sich nur maximal 20 % des Energiebedarfs Chinas durch Wasserkraft decken lassen: Die Energieversorgung bleibt weiterhin hauptsächlich an Kohlekraftwerke gebunden. Man schätzt, dass China bei gleich bleibendem Energieverbrauch jährlich immerhin 40 Millionen Tonnen Kohle weniger verfeuern müsste, wenn der Damm vollendet ist - allerdings ist aufgrund des starken Wirtschaftswachstums mit einer deutlichen Erhöhung des Energieverbrauchs zu rechnen. Der größte Teil der gewonnenen Elektrizität soll nach Schanghai geleitet werden.
 
 Regulierung der Wasserführung
 
Eine Hochwassergefahr durch Schneeschmelze und Monsunregen besteht in China für fünf Monate im Jahr, von Mai bis September. Von gefährlichem Hochwasser spricht man am Unterlauf des Jangtsekiang ab einer Flusshöhe von 27 Metern. Zwischen 1865 und 1998 erreichte und überstieg der Jangtsekiang bei Wuhan 16-mal diesen Pegel, und zwar in den letzten Jahren mit steigender Häufigkeit und Heftigkeit. So gab es zwischen 1865 und 1965 sechs Überflutungen, mittlerweile kommt es in neun von zehn Jahren zu Überschwemmungen. Die verheerendsten Hochwasser ereigneten sich 1905, 1980, 1981 und zuletzt 1998, als mindestens 3 700 (nach anderen Quellen 13 000) Menschen zu Tode kamen und über eine Million Menschen obdachlos wurde. Der Drei-Schluchten-Staudamm ist ausgelegt, auch Hochwasser solcher Stärke zurückhalten zu können. Streng genommen ist diese Talsperre allerdings kein Damm, da sie nicht aus aufgeschüttetem Material besteht, sondern als Schwergewichtsstaumauer gebaut wird. Sie widersteht dem Wasserdruck allein durch ihre massive Bauweise, ohne die Kräfte (wie bei der Bogenstaumauer) in die Talflanken oder (wie bei der Pfeilerstaumauer) in den Untergrund vor der Mauer abzuführen. Ihre Höhe beträgt 185 Meter, ihre Länge 1 983 Meter. Das hinter der Mauer entstehende Reservoir wird bei maximaler Füllhöhe fast 40 Milliarden Kubikmeter Wasser fassen. Das Stauvolumen liegt im Vergleich zu anderen Großdämmen recht niedrig: Weniger als fünf Prozent der jährlichen Wassermassen werden zurückgehalten. Dennoch wird sich der »Stausee« über die Provinz Hubei bis tief nach Sichuan hinein erstrecken, und der Wasserspiegel wird noch in Chongqing angehoben, in mehr als 600 Kilometer Entfernung vom Staudamm.
 
Die Wasserführung ist genau durchdacht. Während der regenreichen Jahreszeit wird das Wasser auf die maximale Höhe von 175 Metern gestaut und damit den Normalpegel erreichen, bei dem die Kapazität der Generatoren voll ausgeschöpft werden kann. In den nachfolgenden vergleichsweise trockenen Monaten wird der Pegel langsam auf 155 Meter gesenkt. Kurz vor der nächsten Regenperiode wird der Wasserstand auf den Flutkontrollpegel von 145 Meter gesenkt, um Platz für die ankommenden Wassermassen zu schaffen. Die Volumendifferenz des Stauvolumens zwischen Normalpegel und Flutkontrollpegel beträgt 22,15 Milliarden Kubikmeter und dürfte für die ankommenden Flutwassermassen ausreichen. Man geht davon aus, dass der Spitzenwert der Durchflussgeschwindigkeit so von 84 000 m3/s auf beherrschbare 57 000 m3/s gesenkt werden kann. Die Wasseroberfläche wird 1 084 Quadratkilometer betragen, nur etwas mehr als das Doppelte der Flussoberfläche vor dem Dammbau.
 
 Verbesserung der Schiffbarkeit
 
Der Jangtsekiang ist heute die wichtigste chinesische Binnenschifffahrtsstraße: Er trägt 80 % aller Schifffrachten Chinas. Seine Bedeutung wird jedoch noch zunehmen, denn nach Fertigstellung des Dammes werden erstmals 10 000-Bruttoregistertonnen-Frachter bis Chongqing, dem wichtigsten Binnenhafen, fahren können. Aufgrund von Stromschnellen und Untiefen im Bereich der Drei Schluchten können dort heute höchstens 3 000-Tonnen-Schiffe verkehren. Man schätzt, dass sich die Schifffahrtskapazität (heute zehn Millionen Tonnen) ab 2013 verfünffachen wird. Den Höhenunterschied von 113 Metern sollen die Schiffe über zwei Schleusenstraßen (für jede Fahrtrichtung eine) überwinden. Jede der Schleusenkammern wird 34 Meter breit und 280 Meter lang sein. Mit der Höhendifferenz bricht die Schleuse der Sanxia-Sperre den Weltrekord von 102 Metern, nämlich den des Schiffshebewerks am Krasnojarsker Stausee am Jenissei in Russland.
 
 Probleme
 
Hinter der Sanxia-Talsperre werden 632 Quadratkilometer fruchtbare, malerische Tallandschaft, 113 Städte, 140 Kleinstädte und 1 352 Dörfer in den Fluten des Jangtsekiang versinken, darunter zahllose historisch bedeutende Orte. Nur wenige der betroffenen Sehenswürdigkeiten können durch Auslagerung gerettet werden. Die Äcker, die den Bauern ersatzweise zugewiesen werden, liegen oft in unzumutbar steiler Hanglage. Bei den in den Flussmarschen und Bewässerungsgebieten arbeitenden Bauern ist mit einer Ausbreitung der Wurmerkrankung Schistosomiasis (Bilharziose) zu rechnen. Überflutet werden auch 657 Fabriken. Aus deren Gelände und aus den Siedlungsdeponien werden beträchtliche Mengen Gift ausgeschwemmt. Im Verein mit den drastischen Veränderungen des Ökosystems am Jangtsekiang könnte dies für bedrohte Tiere wie den Baiji-Flussdelphin und den Schwertstör Psephurus gladius den Artentod bedeuten. Die soziale Dimension der Probleme offenbart sich in der ungeheuren Zahl von insgesamt etwa 1,3 Millionen (nach neueren Zahlen sogar zwei Millionen) Menschen, die bis zum Abschluss des Projekts umgesiedelt werden müssen.
 
Technische Schwierigkeiten könnte - wie bei vielen anderen chinesischen Stauseen - auch beim Drei-Schluchten-Staudamm die Versandung bereiten. Durch Sedimentation gingen bisher insgesamt 14 % des Stauraumes der Dämme verloren, in Einzelfällen betrug der Verlust sogar 50 %. So führt etwa der Hwangho (Gelber Fluss) eine enorme Schlammfracht mit sich: Die Sedimentbelastung beträgt dort durchschnittlich 35 Kilogramm pro Kubikmeter (kg/m3), was der weltweit höchste Wert ist. Der Jangtsekiang nimmt mit 1,2 kg/m3 in dieser Rangliste »nur« den neunten Rang ein. Er transportiert jährlich etwa 680 Millionen Tonnen Schlamm ins Meer. Es ist auch hier nicht auszuschließen, dass sich aufgrund der verlangsamten Fließgeschwindigkeit Teile davon im Reservoir des Drei-Schluchten-Staudamms ablagern. Pessimistische Schätzungen gehen davon aus, dass sich in der ersten Zeit jährlich etwa 70 % der Gesamtfracht im Stausee absetzen und somit binnen 50 Jahren zehn Milliarden Kubikmeter, also rund die Hälfte der Staukapazität verloren gehen. Die Versandung wird sich zuerst am westlichen Ende des Stausees, in der Höhe von Chongqing, bemerkbar machen. Die Schifffahrt dort könnte dadurch im Lauf der Zeit stark behindert werden, und die geplanten Transportmengen würden nicht erreicht, es sei denn, man legt die Hafenanlagen unter großem technischen Aufwand wieder frei. Der Präsident der Drei-Schluchten-Gesellschaft, Lu Youmei, gleichzeitig Chefingenieur des Projekts, hält es aber für möglich, die Wasserführung so zu regeln, dass es zu keiner größeren Sedimentation kommt: Aufgrund der niedrigen Wasserhöhe und des schnellen Durchflusses zu Beginn der Flutperiode werde zwischenzeitlich abgelagerter Schlamm aus dem Staubecken herausgespült. Es ist anzunehmen, dass die Sandfracht des Flusses einen hohen Verschleiß bei den Kraftwerksturbinen verursachen wird. Fraglich ist auch, inwieweit der Damm Abhilfe für das Überflutungsproblem am Jangtsekiang schaffen kann, da er nur die Hochwasser zurück hält, die aus dem Ober- und Mittellauf stammen. Die Mündungen zahlreicher Nebenflüsse des Jangtsekiang liegen jedoch unterhalb des Damms; für die Hochwasser dieser Flüsse kann der Staudamm keinen Schutz bieten. Der Überflutungsproblematik liegt vor allem Chinas Waldarmut zugrunde. Aus manchen Landesteilen wurde der Wald durch eine jahrtausendealte Ackerkultur auf weiten Flächen fast völlig verdrängt. Die Abholzung wurde auch über lange Zeiträume zur Brennholzgewinnung betrieben. Die natürliche Wasserspeicherfunktion der Wälder ging dadurch verloren, sodass die entsprechenden Niederschlagsmengen nun ungehindert eine starke Bodenerosion verursachen und direkt in die Flüsse gelangen. Erst in jüngster Zeit hat China mit einer intensiv betriebenen Aufforstungspolitik begonnen. Dadurch soll der Waldanteil langfristig von 12,7 % (1983) auf 30 % der Landesfläche erhöht werden. So soll der starken Bodenerosion Einhalt geboten und die Auswaschung von Sedimenten in die Flüsse verringert werden. Da aber weiterhin große Mengen Holz auf illegale Weise geschlagen werden, lässt sich der Erfolg der Aufforstungspolitik nur schwer einschätzen.
 
Kritiker des Drei-Schluchten-Projekts sehen in der Wasserregulierung durch den Damm nur eine Verlagerung der Überflutungsproblematik, da der Rückstau des Jangtsekiang dann die Flüsse am Oberlauf rascher über die Ufer treten lassen werde. Sie befürchten ferner Klima- und Grundwasserveränderungen. Die Tendenz zu immer heftigeren Monsunregen im Zuge der globalen Erwärmung könnte dazu führen, dass die Rückhaltekapazität des Drei-Schluchten-Staudamms doch überschritten wird. Darüber hinaus hätte ein Dammbruch im Falle eines Erdbebens noch verheerendere Auswirkungen als alle bisherigen Flutkatastrophen.
 
 
Die Gesamtkosten des Projekts wurden 1997 optimistisch auf umgerechnet zwölf Milliarden US-Dollar geschätzt. Realistischere Schätzungen gehen heute von rund 27 Milliarden Dollar (54 Milliarden Mark) aus, Kritiker gar von 75 Milliarden Dollar. Der ursprüngliche Finanzierungsplan sah vor, drei bis vier Milliarden Dollar durch Kredite aus dem Ausland zu decken. Mehr als eine Milliarde Dollar sind allein für den Kauf ausländischer Maschinen und Anlagenbauteile erforderlich. Die Bedarfsspitze an Fremdkapital dürfte mit der Installation des Wasserkraftwerks in der Zeit von 2003 bis 2006 erreicht werden. In Anbetracht der ohnehin hohen Auslandsverschuldung Chinas (1998: 155,1 Milliarden Dollar, hinter Brasilien die zweithöchste Verschuldung der Welt) verhalten sich viele ausländische Banken ablehnend, allen voran die Weltbank. Die US-Import- und Exportbank entschied 1997, amerikanischen Unternehmen keine Kreditdeckung für ihr Engagement bei dem Damm zu gewähren. Außer amerikanischen Firmen sind am Bau vor allem deutsche, französische und kanadische Unternehmen beteiligt. 1997 bewilligte die Bundesregierung gegen heftige Kritik von Umweltschutz- und Menschenrechtsaktivisten einem deutschen Firmenkonsortium unter Führung der Siemens AG für die Installation von Turbinen und Generatoren im Wasserkraftwerk des Damms eine Hermesbürgschaft in Höhe von 1,3 Milliarden DM. Die Bundesregierung hat die erste Tranche der Bürgschaft über 97 Millionen Mark im Oktober 1999 bestätigt.

Universal-Lexikon. 2012.

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